Sponsorenlauf beim Möllebeckfest

21. September 2024, 14 Uhr

Aktuell leben mehr als 2,8 Millionen Kinder in Deutschland in Armut. Das muss sich ändern, die Gesellschaft muss sich ändern. Kinder dürfen kein Armutsfaktor sein. Aus diesem Grund hat die Diakonie Aktionen gegen Kinderarmut ins Leben gerufen.

Die nächste Mitmach-Aktion ist der Sponsorenlauf beim Möllebeckfest, wo Kinder von 3 bis 14 Jahren um 14 Uhr am Sportplatz des TV Bruckhausen, Waldweg 63, 46569 Hünxe ihre Runden drehen können.

Mehr zur Aktion, zum Mitmachen und zum Anmelden gibt es hier!

 

Beats for benefit: Gäste und Sponsoren spenden mehr als 8000 Euro

Dinslaken. “Mit einer so großen Summe hätte ich nicht gerechnet“, freut sich Alexandra Schwedtmann, Geschäftsführerin der Diakonie im Ev. Kirchenkreis Dinslaken: Satte 8219 Euro spendeten die Gäste und Sponsoren des Beats for Benefit-Festivals in der Zechenwerkstatt in Dinslaken. Rund 800 Menschen waren gekommen, um die Auftritte der Bands Tobisebito, Faser, Die Hänger, Penny Pinchers und des Musikproduzenten Marcel Krause zu sehen. Es war ein bunt gemischtes Publikum – vom Kleinkind bis zur Seniorin war alles vertreten.  „Der Abend hat wieder gezeigt, wieviel man gemeinsam erreichen kann, und dass es sich lohnt, nicht aufzugeben“, so die Geschäftsführerin der Diakonie. Das Geld soll dem Projekt „Kostenloses Mittagessen für Grundschüler“ oder einem anderen Projekt gegen Kinderarmut der Diakonie zu Gute kommen. „Trotz des großen Erfolges hören wir jetzt nicht auf, sondern sammeln weiter Spenden, um unsere Projekte realisieren zu können“, erklärt Alexandra Schwedtmann, die Initiatorin des Kinderarmutsprojektes. Neben dem 3. Beats for Benefit-Festivals 2026 sind auch noch weitere Aktionen geplant. Man werde erst aufhören, wenn die Kindergrundsicherung eingeführt sei und in Deutschland kein Kind mehr in Armut leben müsse.

Das Beats for benefit Volumne 2 wird größer, bunter und besser

Dinslaken. Das erste Beats for Benefit-Festival in der Zechenwerkstatt Lohberg im Herbst 2022 war ein voller Erfolg: Mehr als 500 Festivalbesucher erlebten einen coolen Abend und die Diakonie im Ev. Kirchenkreis Dinslaken konnte mehr als 3000 Euro Spendengelder für ihr Projekt gegen Kinderarmut sammeln. „Schon damals war uns klar: Es wird eine Fortsetzung geben“, so Nicole Else-Mehring, Geschäftsführerin der Diakonie. Gesagt getan: Am 4. Mai um 17.30 Uhr wird die erste Band in der Zechenwerkstatt Lohberg das Beats for Benefit Volume 2-Festival eröffnen. Diesmal gehen die Indie-Rockband „Faser“, die Hipp-Hopper „Die Hänger“, die Coverband „TOBISEBITO“, die Indie-Rockband „Penny Pinchers“ und der deephouse und melodic techno Artist Marcel Krause an den Start.  Auch diesmal stammen die Bands aus Dinslaken und der Umgebung. Und natürlich ist der Eintritt frei.

Doch warum ist die Fortsetzung nötig? „Leider ist das Thema Kinderarmut aufgrund von aktuellen Krisen wieder in den Hintergrund gerückt und die Kindergrundsicherung lässt immer noch auf sich warten“, erläutert Alexandra Schwedtmann, Geschäftsführerin der Diakonie. Die Diakonie werde jedoch solange auf das Thema aufmerksam machen, bis in Deutschland auch Kinder aus sozialschwachen Familien nicht hungrig zur Schule gehen müssten, im Verein Sport machen könnten oder Hilfe bei Lernschwierigkeiten erhalten würden. „Alle Kinder müssen die gleichen Chancen haben, sich gut zu entwickeln“, so die Geschäftsführerin.  Um dazu beizutragen, werde das Team der Diakonie auch dieses Mal während des Festivals Spenden sammeln. Zudem werden Hoodies und T-Shirts mit dem Beats for Benefit-Logo verkauft und die Besucher können Festival-Becher erwerben. Das Geld wird dem Projekt „Kostenloses Mittagessen für Grundschüler“ oder einem anderen Kinderarmutsprojekt der Diakonie zu Gute kommen. Dass das Projekt seine Berechtigung hat, zeigen die aktuellen Ergebnisse der Begleitstudie. „In der Zeit, in der wir das Essen an der Grundschule am Dicken Stein in Hünxe kostenlos angeboten haben, meldeten knapp 80 Prozent der Eltern ihre Kinder an. Zuvor lag die Quote bei nur 48 Prozent“, berichtet Nicole Elsen-Mehring. Zudem sei die Stimmung unter den Kindern viel entspannter und gelassener gewesen. Die Kinder, die sonst hätten warten müssen, ob etwas übrigbleibt, hätten nun freudig mit am Tisch gesessen.

Schon im Vorfeld der Veranstaltung konnte das Team der Diakonie viele Unterstützer*innen für das Festival finden: die Niederrheinische Sparkasse RheinLippe; die Wohnbau Dinslaken; das Diakonie-Pflegezentrum Dinslaken, die Evangelischen Sozialstationen GmbH; IT-Advise & Systems GmbH IT Systemhaus; Wegner & Gühmann GbR; Schallmeister GmbH; und Ziele und Zeichen. „Nur durch ihre Unterstützung war die Umsetzung dieses Großprojektes möglich“, berichtet Nicole Elsen-Mehring. Zudem haben folgende Organisationen und engagierte Bürger*innen am Abend einen Verkaufsstand vor Ort: Die Landfrauen Hünxe, die Kutscher Stube, der Ruhrpottgriller, das Kinder- und Jugendparlament Dinslaken, IT-Advise & Systems GmbH IT Systemhaus, die Wohnbau Dinslaken, die Omas gegen Rechts und die Lions Dinslaken. Und alle werden für das Kinderarmutsprojekt der Diakonie spenden. Die Wohnbau Dinslaken bietet außerdem ihren Mietern einen besonderen Anreiz, das Beats for Benefit zu besuchen: Sie erhalten einen Gutschein für ein Getränk und eine Portion Fritten oder eine Bratwurst.

Die Bands

Faser: Die Band, bestehend aus Anna, Joris, Nils und Thorsten wurde 2019 gegründet. Die gebürtigen Dinslakener spielen Indie-Rock mit deutschen Texten. Ihr größter Auftritt war auf dem KIMIKO Isle of Campus Festival (Aachen) 2023.

Die Hänger: Die zwei Hip-Hoper eSKay & Headtrick sind seit 2011 ein Team und waren auf schon dem Juicy Beats Festival zu Gast.

TOBISEBITO: Tobias Mengede (Gitarre, Gesang), Marcus Ugljanin (Schlagzeug) und Tim Jansen (Keyboards, Gesang) machen nun seit 28 Jahren gemeinsam Musik. Die Band covert ihre Lieblingssongs der musikalischen Vorbilder. Da geben sich Tom Petty, U2, Brian Adams und Phil Collins die Klinke in die Hand. Gecovert werden aber in diesem Jahr viele neu ins Programm der Band aufgenommene Künstler.

Marcel Krause: Der DJ stammt aus Hünxe und produziert schon seit seinem 18. Lebensjahr eigne Lieder. Er bedient die Genres Deephouse, Melodic Techno und Techno. Im Jahr 2023   nahmen die Labels Nalu Nalu Records, Complexed Records und Tiefdruckgebeat eigens produzierte Songs von Marcel unter Vertrag.

Penny Pinchers: Die Band besteht aus Franjo Tatai (Drums), Simon Bielinski (Bass), Max Van Hasseln (Gitarre), Dustin Ehret (Gitarre und Gesang) und Bastian Oldenkott (Gitarre und Gesang). Die Jungs sind Dinslakener und spielen Indie-Rock, tanzbare und gitarrenlastige Musik ohne Attitüde. Der bekannteste Song der Penny Pinchers, die es seit 2009 gibt, ist Love or Lose.

Foto (Diakonie):  Beim Beats for Benefit wirken viele Mitarbeitende der Diakonie und Organisationen wie die Omas gegen Rechts, das Kinder- und Jugendparlament Dinslaken, die Lions Dinslaken oder die Wohnbau Dinslaken mit und sorgen dafür, dass es ein cooler Abend wird.

Einzigartiges Pilotprojekt: Kostenloses Mittagessen für Grundschüler

Hünxe-Bruckhausen. Eine ausgewogene Ernährung ist für Kinder, gerade im Grundschulalter, besonders wichtig. Neben den körperlichen Veränderungen wird erstmalig ihre Konzentrationsfähigkeit in der Schule stark gefordert. Bildung ist ein wichtiger Faktor, um Armut entgegen zu wirken. Um unsere Kinder bildungsfähig zu machen, muss ein Mittagessen gewährleistet sein. Es gibt jedoch Kinder in Deutschland, die kein richtiges Mittagessen bekommen können, weil die Familien sich das finanziell nicht leisten können.   „Das darf in einem reichen Land wie Deutschland nicht sein“, ärgert sich Alexandra Schwedtmann, Geschäftsführerin der Diakonie im Ev. Kirchenkreis Dinslaken. „Wir wollen etwas ändern, deshalb starten wir an der Grundschule am Dicken Stein in Bruckhausen ein in NRW einzigartiges Pilotprojekt. Ab jetzt gibt bis zu den Sommerferien für jedes Kind im Offenen Ganztag ein kostenloses Mittagessen“, so die Geschäftsführerin.

Bei einem Fachtag für alle Mitarbeiter*innen der Diakonie im Ev. Kirchenkreis Dinslaken im Rahmen des Aktionsjahres gegen Kinderarmut Ende Mai 2022 hätten viele Mitarbeiter*innen im Offenen Ganztag auf das Problem beim Mittagessen aufmerksam gemacht: Alle Kinder essen gemeinsam, eine warme Mahlzeit oder einen Snack, den sie von zu Hause mitbringen. Es gibt aber immer wieder Kinder, die keinen Snack dabeihaben, aber auch nicht zur warmen Mittagsmahlzeit angemeldet sind. Zwar könnten Betroffene Fördermittel beantragen. Jedoch sei die Hemmschwelle zu groß – zu viel Bürokratie. Zudem möchte keiner, als „arm“ abgestempelt werden. „Bei uns muss man sich nur anmelden, wie sonst auch“, so Alexandra Schwedtmann. Aktuelle Zahlen belegen, dass der Bedarf da ist: Im vergangenen Halbjahr waren rund 40, jetzt 60 Kinder fürs Mittagessen angemeldet. „Natürlich heißt das nicht, dass sich 20 das Essen nicht leisten können. Genauso kann sich beispielsweise die berufliche Situation der Eltern verändert haben, und es wird unter Woche nicht mehr gekocht“, erläutert Schwedtmann. „Wir wollen den Grund für die Anmeldung gar nicht wissen. Es soll keiner stigmatisiert werden. Wem mit unserem Projekt geholfen wird, bleibt unentdeckt“, so Christian Philipp, Leiter der OGS.

Das Mittagessen startet in der Regel gegen 12 Uhr. Meist sind die Erstklässler die Ersten  am Mittagstisch – je nachdem welche Klasse als erstes Unterrichtsschluss hat. Die Kinder holen sich ihr Essen selbst ab und können so zwischen den unterschiedlichen Zutaten entscheiden, und das, was sie nicht mögen, weglassen. Es gibt abwechselnd vegetarische, Fleisch- oder Fischgerichte. Aber auch Aufläufe oder Suppen stehen regelmäßig auf dem Speiseplan. „Beliebt sind unser Göckelchen (kleine Hähnchenschnitzel), Teddynudeln in Rahmsoße oder die bunte Meereswelt (Fischtaler)“, berichtet der Leiter der OGS. Ziel ist es, dass die Kinder gesättigt und voller Energie ihre Hausaufgaben machen können. „Wir hoffen, dass unser Projekt Schule macht und viele Nachahmer findet“, erläutert Alexandra Schwedtmann. Ein ausgewogenes, sättigendes Mittagessen sollte allen Kindern in Deutschland zugänglich sein.

Fakten:

Das Pilotprojekt: Im Zeitraum vom 01.03. bis einschließlich 21.06.2023 wird allen Kindern in der OGS ein kostenloses Mittagessen angeboten. Alle Eltern sind im Vorfeld über das Projekt informiert worden. Die Finanzierung für das Modellprojekt ist mindestens bis zum Beginn der Sommerferien ist durch die Diakonie als Träger des Offenen Ganztages gesichert. Das Projekt wird größtenteils über Spenden, die im Rahmen des Aktionsjahres gegen Kinderarmut gesammelt wurden, finanziert. Das Angebot eines kostenlosen Mittagessens gilt ausnahmslos für alle OGS-Kinder. Die Eltern wurden darauf hingewiesen, dass sie gerne das Projekt auf freiwillige Basis unterstützen können, in dem sie das eingespartes Essensgeld spenden. So könnte das Projekt auch nach den Sommerferien Bestand haben. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet. Die Diakonie ist daran interessiert zu wissen, ob auch durch ein zunächst befristetes Projekt schon Veränderungen bei der Mittagessenssituation festgestellt werden können. Deshalb wird das Projekt durch Eltern- und Kinderbefragungen und durch die Dokumentation der Beobachtungen der OGS Mitarbeiter*innen ausgewertet. Jedoch würden die Diakonie das Angebot auch noch nach den Ferien gerne aufrecht erhalten. Deshalb freut sich das Team natürlich über jede Spende. Interessierte können einfach auf den Link klicken und spenden.  https://bit.ly/40GNxDW .

 

Foto: Zum offiziellen Startschuss waren neben den beiden Geschäftsführerinnen der Diakonie im Ev. Kirchenkreis Dinslaken, Alexandra Schwedtmann (Mitte) Nicole Elsen-Mehring (re.) und Bereichleiterin Ulrike Peter (hinten re.) auch der Hünxener Bürgermeister, Dirk Buschmann (2.v.re.) und Andrea Dombrück, Schulamt, vor Ort. Begrüßt wurden sie vom OGS-Leiter Christian Philipp und Ayse Yildiz.

Diakonie bietet einzigartige Digitale Beratungsräume in den Gemeinden

Dinslaken. Die Diakonie im Ev. Kirchenkreis Dinslaken bietet jetzt erstmals Digitale Beratungsräume an. So können Hilfesuchende aus dem ganzen Kirchenkreisgebiet ohne längere Anreise die Angebote der Diakonie nutzen. Die Digitalen Beratungsräume befinden sich in den Gemeindehäusern der Ev. Kirchengemeinden Gahlen, Spellen-Friedrichsfeld und im Katharina-von-Bora Haus in Voerde. Ratsuchende können sich über die zentrale Telefonnummer:  0176/ 87856470 einen Termin buchen, und zum vereinbarten Zeitpunkt die Beratung an einem Bildschirm in den jeweiligen Häusern in Anspruch nehmen. Es steht ihnen der Beratungs-Service der Diakonie zur Verfügung. So können sie beispielsweise eine Erwerbslosen-, Senioren- oder Schwangerschaftskonfliktberatung buchen. Ausgenommen ist die Schuldner- und Insolvenzberatung. Das Angebot ist kostenlos. Dieses einzigartige Modellprojekt bietet den  Mitarbeitenden der Diakonie die Möglichkeit, auch auf Entfernung nah bei den Menschen zu sein.

Die Idee für das innovative Konzept der Digitalen Beratungsräume ist während der Hochphase der Corona-Pandemie entstanden. Das Modellprojekt wird aus Mitteln der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW-Projektträger Jülich finanziert.

Beats for benefit: Das erste Festival gegen Kinderarmut war ein voller Erfolg

Dinslaken. 3800 Euro Spendengelder, mehr als 500 Festival-Besucher – die Zahlen sprechen für sich. Das erste Beats for Benefit-Konzert der Diakonie im Ev. Kirchenkreis Dinslaken in der Zechenwerkstatt Lohberg war ein voller Erfolg. Und der Spendenbetrag wird sich noch erhöhen. Denn die Summen, die die Kutscherstuben und Zeloh beitragen, sind noch nicht bekannt. „Ich bin noch immer ganz überwältigt. Damit hätte ich nie gerechnet“, freut sich Alexandra Schwedtmann, Geschäftsführerin der Diakonie. Mit Japanese Junkfood, Denglisch Punx, Luxx, Knife Breath und Lwood waren fünf lokale Acts an den Start gegangen, die das Publikum begeisterten. Schon bei der Eröffnung durch Alexandra Schwedtmann und David Bongartz, Superintendent des Ev. Kirchenkreises Dinslaken, wurde das Motto des Abends auf den Punkt gebracht. „Musik kann Herzen öffnen und vereint für guten Zweck. „Dass unser Konzert gegen Kinderarmut soviel Zuspruch erhält, zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind, dass wir weitermachen sollen“, so Schwedtmann. Ein besonderer Dank gehe an alle Sponsoren, die fünf Bands, die unentgeltlich aufgetreten seien, die Kutscherstube, Zeloh, die Omas gegen Rechts und das Kinder- und Jugendparlament, die einen Teil ihrer Einnahmen ebenfalls gespendet haben. „Außerdem möchte ich den Mitarbeitenden der Diakonie danken, die durch ihr Engagement dieses Konzert erst möglich gemacht haben“, so die Geschäftsführerin. Ob es eine Neuauflage des Festivals geben wird, schließt Alexandra Schwedtmann nicht aus: „Dieses Format ist zukunftsfähig, wenn wir Sponsoren finden. Es bietet lokalen Bands eine Bühne, das Interesse bei Publikum ist groß, und es gibt uns die Möglichkeit, das Thema Kinderarmut präsenter zu machen.“ Die gesammelten Spenden werden für das Pilotprojekt der Diakonie gegen Kinderarmut genutzt. Es startet im Frühjahr 2023 an einer ausgewählten Grundschule. Alle Kinder dieser OGS bekommen ein kostenloses Mittagessen. Es gibt keine bürokratischen Hürden und jedes Kind kann sich gut versorgt auf seine Hausaufgaben konzentrieren. Eltern, die über die finanziellen Mittel verfügen und sich beteiligen möchten, können das Projekt über anonyme Spenden unterstützen. Langfristiges Ziel ist es, das Projekt auf alle Grundschulen auszuweiten.

„Es ist nicht schön Bürgergeld oder Hartz IV zum Leben zu benötigen“

Dinslaken. Energiekrise, Entlastungspaket für die Bürger, Krieg in der Ukraine – das sind die Themen, die Politik und die Regierungen aktuell beschäftigen. Geraten dadurch Pläne für die Kindergrundsicherung ins Hintertreffen? Werden sie sogar auf Eis gelegt? „Nein“, versprach Grünen-Politikerin Jule Wenzel, Landtagsabgeordnete, jetzt bei der Podiumsdiskussion im Ev. Gemeindesaal der Ev. Kirche Dinslaken. „Die Grünen sind laute Streiter für die Kindergrundsicherung“, so die Politikerin. Derzeit seien 7 Ministerien mit der Umsetzung beschäftigt. Voraussichtlich im Frühjahr 2025 könnten die Auszahlungen beginnen. Auch SPD-Politiker Dirk Vöpel, Mitglied im Bundestag, bestätigte: „Die Bundesregierung will zwei massiven Großprojekte, das Bürgergeld und die Kindergrundsicherung umsetzen.“ 150 Leistungen würden gebündelt. Dr. Carolin Butterwegge, Mitglied des Landesvorstands DIE LINKE. Nordrhein-Westfalen, dagegen kritisierte, dass das Kindergrundsicherung schon viel zu lange auf sich warten ließe: „Kinderarmut war schon vor der Pandemie sehr hoch, und wurde während der Pandemie noch größer.“ Die Ampelkoalition gebe 100 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr aus. Es müsse umverteilt werden. Der Regelsatz müsse auf 678 Euro pro Monat angehoben werden. Einigkeit herrschte, dass sich grundsätzlich etwas in Deutschland ändern müsse. Denn Armut löse Existenzängste aus, und raube den Menschen die Kraft.  „Man muss sich in die Familien hineinversetzen. Es ist nicht schön Bürgergeld oder Hartz-IV zum Leben zu benötigen“, so Alexandra Schwedtmann, Geschäftsführerin der Diakonie im Ev. Kirchenkreis Dinslaken. Die Diskussionsrunde wurde von der Diakonie im Ev. Kirchenkreis Dinslaken und dem Laboratorium, Bildungseinrichtung von vier Evangelischen Kirchenkreisen am Niederrhein und der Ev. Akademie im Rheinland im Rahmen des Aktionsjahres gegen Kinderarmut veranstaltet. Und das nächste große Event lässt schon auf sich warten: Am 29. Oktober veranstaltet die Diakonie ein großes Benefiz-Konzert „Beats for Benefit“ in der Zechenwerkstatt Lohberg.

Foto 1 (v.l.): Dr. Carolin Butterwegge, Mitglied des Landesvorstands DIE LINKE. Nordrhein-Westfalen;SPD-Politiker Dirk Vöpel, Mitglied im Bundestag, Alexandra Schwedtmann, Geschäftsführerin der Diakonie im Ev. Kirchenkreis Dinslaken; Grünen-Politikerin Jule Wenzel, Landtagsabgeordnete

Foto 2 (v.l.): Dr. Carolin Butterwegge, Mitglied des Landesvorstands DIE LINKE. Nordrhein-Westfalen; Dieter Zisenis, Laboratorium; SPD-Politiker Dirk Vöpel, Mitglied im Bundestag; Grünen-Politikerin Jule Wenzel, Landtagsabgeordnete

„Die jüngere Generation bekommt heute für die gleiche Arbeit viel weniger, als die ältere Generation“

Dinslaken. Sahid reinigt seit 18 Jahren tagtäglich die Berliner U-Bahnhöfe. Er beseitigt Dreck, Kotze, Urin. Sein Lohn reicht soeben, um seine Familie zu ernähren. Alexandra ist studierte Musikerin, ihr Mann Richard ebenfalls. Beide unterrichten freiberuflich. Eine Festanstellung an einer Musikschule gibt es nicht. Auch sie können gerade ihre Familie versorgen. Es darf nichts Unvorhersehbares passieren. Krank sein, geht nicht. Die Autorin und Journalistin Julia Friedrichs hat diese beiden Familien ein Jahr begleitet. Es sind Menschen, die zur „Working Class“ gehören. Menschen, die arbeiten, Steuern zahlen und zeitlebens auf keinen grünen Zweig kommen werden. Aber warum? Diese Frage versucht die Autorin in ihrem Buch „Working Class“ zu ergründen. Ihre Thesen und die Einblicke in das Leben der „Working Class“ stellte sie jetzt bei einer Lesung im Rahmen des Aktionsjahres „Kein Kind in Armut“ der Diakonie im Ev. Kirchenkreis Dinslaken vor. In der anschließenden Diskussion mit Dr. Nikolaus Schneider, EKD-Ratsvorsitzende a.D., ging es unter anderem um die Generationen-Unterschiede. „Eine Studie der OECD belegt: Je später man geboren wurde, umso schwerer ist es, allein aus Arbeit den Schritt in die gesellschaftliche Mitte in unserem Land zu schaffen“, berichtete die Journalistin. „Die jüngere Generation bekommt heute für die gleiche Arbeit viel weniger, als die ältere Generation“, bestätigte Nikolaus Schneider. Man müsse sich nur beispielsweise die Kettenverträge der Beschäftigten an den Hochschulen anschauen. Er hoffe aber, dass der aktuelle Arbeitskräftemangel zu einem Umdenken führe. „Die Menschen, die im Dienstleistungssektor, als Solo-Selbstständige etc. arbeiten, bekommen nichts vom Wohlstand des Landes mehr ab. Und trotzdem tragen sie zum Sozialstaat bei, zahlen direkte und indirekte Steuern“, so Julia Friedrichs. Diese Familien würden jetzt in der Energiekrise Hilfe benötigen. Dies sei bei einer breiten Masse der Fall. „Die Politik ist gefragt“, so der EKD-Ratsvorsitzende a.D. „Auch die Kirche kann ihren Beitrag leisten, und sie wird ihren Beitrag leisten“, erläuterte er weiter. Man werde auch Schulterschlüsse suchen müssen. Grundsätzlich gebe es aber Veränderungspotential in der Gesellschaft. Auch bei Alexandra und Richard hat sich etwas verändert. „Ich habe mit der Familie telefoniert. Richard hat erstmalig eine Festanstellung bei einer Privat-Schule erhalten. Sie haben das erste Mal ein Gefühl von Sicherheit“, berichtete die Autorin zum Abschluss des Abends.

Foto/Henkel: v.l. Autorin Julia Friedrichs und Dr. Nikolaus Schneider, EKD-Ratsvorsitzender a.D.

„Die Mitarbeitenden der Diakonie erleben tagtäglich die Folgen von Armut“

Dinslaken. 1965 lebte jedes 75ste Kind in einem Haushalt, der Sozialleistungen bezog. Heute, 57 Jahre später, lebt jedes 7. Kind in einem solchen Haushalt. Obwohl die deutsche Gesamtgesellschaft viel reicher geworden ist. Mit diesem erschreckenden Beispiel und weiteren Fakten zeigte Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge jetzt auf dem Fachtag „Kein Kind in Armut“ der Diakonie im Ev. Kirchenkreis Dinslaken den dringenden Handlungsbedarf auf. Rund 100 Mitarbeitende hörten sich einen bedrückenden Vortrag an, der mehr als einmal verdeutlichte, dass die Kluft zwischen arm und reich größer wird. „Armut drängt sich immer mehr in die Mitte der Gesellschaft“, so Christoph Butterwegge. Dies treffe natürlich besonders die Kinder. „40,5 Prozent der Alleinerziehenden und 30 Prozent der Mehrkinderfamilien sind in Deutschland armutsgefährdet“, berichtete der Politikwissenschaftler. „Wir müssen die Menschen ermutigen, an diesen ungerechten Verhältnissen etwas zu ändern. Es muss mehr Solidarität in die Gesellschaft gebracht werden“, forderte Christoph Butterwegge.

Den dringenden Handlungsbedarf bestätigten auch die Beispiele aus der Praxis der Mitarbeitenden Diakonie: Im Bereich des Offenen Ganztages haben immer mehr Schüler kein Arbeitsmaterial, immer mehr Eltern können sich das Mittagessen für ihre Kinder nicht leisten, und  immer mehr Kids kommen mit abgetragener Kleidung zur Schule. Die Mitarbeitenden der Jugendhilfe beraten viel mehr Familien, denen es an Geld für Lebensmittel, Kleidung, W-Lan oder Ausflüge fehlt. Das Team der Arbeitsmarktbetreuung hat regelmäßig Jugendliche in der Beratung, die keine berufliche Orientierung haben und keinen Zugang zu Hilfen bekommen.

Zum Abschluss der Veranstaltung in der Friedenskirche in Dinslaken hielt Annette Berger, Koordinationsstelle Kinderarmut, LVR-Landesjugendamt Rheinland, einen Impulsvortag. Der Fachtag wurde im Rahmen des Aktionsjahres der Diakonie gegen Kinderarmut abgehalten. „Ziel war es die Mitarbeitenden noch mehr für das Thema zu sensibilisieren und ihre Ideen und Anregungen zu sammeln“, so Alexandra Schwedtmann, Geschäftsführerin der Diakonie. „Schließlich erleben die Mitarbeitenden tagtäglich in ihrer Arbeit die Folgen von Armut“, so die Geschäftsführerin. Dieter Zisenis vom Laboratorium, der Bildungseinrichtung von vier Evangelischen Kirchenkreisen am Niederrhein, moderierte die Veranstaltung. Die Begrüßungsrede wurde von Friedhelm Waldhausen, Superintendent des Ev. Kirchenkreises Dinslaken, gehalten.